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Europäische Kommission
  • Presseartikel
  • 2. Dezember 2025
  • Generaldirektion Kommunikation
  • Lesedauer: 3 Min

Behinderung: Wir sprechen darüber. Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen

Donata Lerda
Donata Lerda

 

Wir sind da. Wir möchten an dieser Welt teilhaben. Wir brauchen kein Mitleid. Wir haben das Recht, gesehen zu werden, schön zu sein und uns fit zu halten. Alle Menschen im Rollstuhl sollten nach draußen gehen können.

Donata Lerda lebt mit Tetraplegie

 

Anlässlich des internationalen Tags der Menschen mit Behinderungen haben wir mit Donata in ihrem Zuhause in Italien gesprochen. Der Tag soll auf die anhaltenden Herausforderungen und Hürden aufmerksam machen, mit denen Menschen mit Behinderungen konfrontiert sind: von einem höheren Armutsrisiko und Diskriminierung am Arbeitsplatz bis hin zu unzureichender sozialer Absicherung und einem Mangel an angemessener Betreuung und Unterstützung. 

Die meisten Behinderungen werden in „geistig“, „körperlich“ oder „angeboren“ eingeteilt. Donatas Behinderung trat plötzlich auf. Vor sieben Jahren stürzte sie beim Radfahren und erlitt eine Rückenmarksverletzung. „Mein Leben war von einem Moment auf den nächsten ein völlig anderes. Ich war sehr sportlich, aktiv und voller Energie. Mit so etwas rechnet man einfach nicht“, sagt sie. „Niemand glaubt, jemals selbst eine Rückenmarksverletzung zu erleiden.“

Am Anfang war es hart. „Es wird einem nicht alles erklärt, da es ein stetig fortschreitender Prozess ist.“ fügt Donata hinzu. „Früher haben einem die Ärzte vielleicht noch zwei bis drei Jahre zu leben gegeben. Heute kann man viel länger leben. Offenbar weiß niemand wirklich, was auf lange Sicht mit Körper und Geist passieren kann.“

Donata hat sich das Ziel gesetzt, die EU dazu zu bewegen, Rückenmarksverletzungen, einschließlich Tetraplegie, als „seltene Krankheit“ anzuerkennen. „Solange sie nicht als solche anerkannt sind, gibt es weder dafür bestimmte Gelder noch Fördermittel für spezialisierte Zentren. Ohne diese kann man wiederum keine wirksamen Therapien und Heilmittel entwickeln und etablieren.“

Die EU verfolgt derzeit eine Zehnjahresstrategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (2021-2030). Sie soll den Weg zu einem barrierefreien Europa ebnen und Menschen mit Behinderungen helfen, ihre Rechte wahrzunehmen und uneingeschränkt an Gesellschaft und Wirtschaft teilzuhaben.  Zu den Initiativen gehört ein Vorschlag für einen neuen Europäischen Behindertenausweis und einen verbesserten Europäischen Parkausweis für Menschen mit Behinderungen, die voraussichtlich 2028 eingeführt werden.

Donata stößt nach wie vor auf bauliche Barrieren, die ihr den Zugang zu Hilfsangeboten erschweren. „Ich kann nicht mehr arbeiten. Ich kann meine Hände nicht mehr richtig benutzen. Es ist hart... stellen Sie sich vor, Sie können nicht mehr das Gesicht Ihres Mannes oder Ihrer Kinder streicheln. Darauf ist man nicht vorbereitet.“

Sie fügt hinzu: „Im Rollstuhl sieht man eine Person, die nicht laufen kann. Aber das ist die letzte Phase eines langen Genesungsprozesses. Dahinter steht ein langer Leidensweg: Ein Kampf gegen die körperlichen Begleiterscheinungen der Krankheit.“

Donata lässt sich davon jedoch nicht entmutigen. „Ich bin weniger deprimiert als viele Menschen – mit oder ohne Behinderung“, lacht sie. „Jeder kann selbst etwas tun, um für seine Rechte einzustehen. Wie mit der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister seiner Stadt zu sprechen.“ Aber viel mehr lässt sich zusammen erreichen. 

Sie fügt hinzu, dass es in vielen EU-Ländern zwar Organisationen für Tetraplegie gibt, es jedoch nicht immer einfach ist, sich mit ihnen und durch sie Gehör zu verschaffen. 

Donata erklärt, dass ihre Behinderung eine „Minderheitenbehinderung“ unter den 87 Millionen Menschen in der EU ist, die eine Form von Behinderung haben. Sie sieht die Erarbeitung eines gemeinsamen Protokolls für Menschen mit Rückenmarksverletzungen, von der Ersten Hilfe bis zur Rehabilitation, als grundlegendes Ziel für die EU und darüber hinaus. „Es gibt so viele Dinge, die Europa tun kann“, erklärt sie nachdrücklich. „Wir müssen nur unser Herz öffnen.”

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Behinderung

Union der Gleichheit: Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen 2021-2030

Vereinte Nationen: Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen

 

Einzelheiten

Datum der Veröffentlichung
2. Dezember 2025
Autor
Generaldirektion Kommunikation