Die EU und Australien haben die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen im März 2026 abgeschlossen. Das Abkommen wird
- mehr als 99 % der Zölle auf EU-Ausfuhren nach Australien abschaffen,
- den Zugang zu kritischen Rohstoffen verbessern
- und die strategischen Beziehungen zur indopazifischen Region stärken.
Das Abkommen ist Teil der EU-Strategie zur Diversifizierung globaler Handelspartnerschaften und zur Stärkung der Lieferketten. Die Zusammenarbeit mit Australien erstreckt sich auf viele Bereiche: Sicherheit und Verteidigung, Forschung und Innovation, Bildung, Digitales sowie Klima- und Umweltschutz. Außerdem haben die EU und Australien eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft unterzeichnet.

Wichtigste Vorteile
Der Waren- und Dienstleistungshandel zwischen der EU und Australien beläuft sich bereits jetzt auf mehr als 89,2 Mrd. EUR jährlich, was 460 000 Arbeitsplätzen in der EU zugutekommt. Das Abkommen dürfte sich sehr positiv auf die EU-Wirtschaft auswirken.
Welche Wirtschaftszweige werden von den Zollsenkungen profitieren?
Waren
Am unmittelbarsten profitieren EU-Exporteure von Maschinen, Kraftfahrzeugen und Chemikalien. Die Zölle auf diese Waren, deren Exportwert sich auf mehrere Milliarden Euro beläuft, werden mit Durchführungsbeginn des Abkommens abgeschafft.
Dienstleistungen
Im Dienstleistungssektor erhalten EU-Unternehmen einen besseren Zugang zu
- freiberuflichen und Unternehmensdienstleistungen,
- Seeverkehrsdienstleistungen und
- Finanzdienstleistungen.
Das Abkommen enthält auch Vorschriften über Datenströme und untersagt Auflagen zur Datenlokalisierung – ein wichtiger Schritt für Digital- und Technologieunternehmen.
Welche Vorteile ergeben sich für Landwirtschaftsbetriebe und Lebensmittelhersteller?
EU-Landwirtschaftsbetriebe werden neue Exportmöglichkeiten erhalten, da Australien Zölle auf wichtige Produkte wie Käse, Wein, Schokolade, Kekse und Brot abschafft.
Gleichzeitig werden sensible Sektoren in der EU durch Einfuhrbeschränkungen geschützt.
Für sensible Agrarprodukte – darunter Rindfleisch, Schaf- und Ziegenfleisch, Zucker, Reis und bestimmte Milcherzeugnisse – sieht das Abkommen Importe aus Australien zum Nullsatz oder zu ermäßigten Zollsätzen nur in begrenzten Mengen und unter bestimmten Bedingungen vor.
Ein Schutzmechanismus wird es der EU ermöglichen, rasch zu handeln, falls ein Anstieg der Einfuhren aus Australien den Landwirtschaftsbetrieben in der EU Schwierigkeiten bereitet.
Das Abkommen schützt zudem die geografischen Angaben der EU, d. h. Bezeichnungen wie „Champagner“ oder „Parmigiano Reggiano“ dürfen nur für Produkte verwendet werden, die tatsächlich in den ausgewiesenen Regionen hergestellt werden. Dies betrifft
- 165 Agrar- und Lebensmittelerzeugnisse
- und 231 Spirituosen.
Ein modernisiertes bilaterales Weinabkommen wird den Schutz von mehr als 1 600 geografischen Angaben der EU für Wein stärken, darunter rund 50 Neuzugänge.
Alle Einfuhren aus Australien unterliegen weiterhin den strengen Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften der EU.
Wie gewährleistet das Abkommen die Versorgung Europas mit kritischen Rohstoffen?
Australien ist ein bedeutender Produzent von Aluminium, Lithium und Mangan, die alle für die EU-Industrie unverzichtbar sind, insbesondere für saubere Energie und digitale Technologien.
Das Abkommen wird die Zölle auf diese Materialien senken oder ganz abschaffen und die Zusammenarbeit zwischen der EU und Australien im Bereich der Lieferkettensicherheit stärken.
Dies ist wichtig, da die EU in hohem Maße auf den Import kritischer Rohstoffe angewiesen ist und die weltweite Nachfrage steigt. Die Diversifizierung der Versorgung wird dazu beitragen, die Kontinuität in strategischen Branchen wie der Elektrofahrzeugindustrie, der Batterieherstellung und der erneuerbaren Energien sicherzustellen.
Das Abkommen enthält besondere Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen, damit diese Rohstoffe nachhaltig abgebaut werden. Beide Seiten haben vereinbart, im Bereich kritischer Rohstoffe intensiver zusammenzuarbeiten und gemeinsam Projekte zu finanzieren.
Welche Umwelt- und Sozialstandards umfasst das Abkommen?
In dem Abkommen geht es um mehr als nur um den Handel. Es enthält auch rechtsverbindliche Verpflichtungen in den Bereichen Klimaschutz, Arbeitnehmerrechte und Umweltschutz. Zu den wichtigsten Verpflichtungen im Bereich der Nachhaltigkeit gehören:
Mit dem Abkommen wird auch der Handel mit umweltfreundlichen Waren und Dienstleistungen wie erneuerbaren Energien und energieeffizienten Produkten liberalisiert.
Wann tritt das Abkommen in Kraft?
Die Ratifizierung umfasst folgende Schritte:
- Veröffentlichung der ausgehandelten Textentwürfe
- rechtliche Überarbeitung
- Vorlage beim Rat der EU zur Unterzeichnung und zum Abschluss
- Annahme durch den Rat
- Unterzeichnung des Abkommens durch die Vertragsparteien
- Zustimmung des Europäischen Parlaments zu dem Abkommen
- Beschluss des Rates über den Abschluss des Abkommens
Hintergrund
Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wurden von der EU und Australien im Juli 2018 aufgenommen und im März 2026 erfolgreich abgeschlossen.
Das Abkommen ist die jüngste Ergänzung zu jenen, die die EU in der strategisch bedeutsamen Indo-Pazifik-Region geschlossen hat. Es folgt auf die Freihandelsabkommen mit Indonesien (September 2025) und Indien (Januar 2026).
Die Seite wurde zuletzt am 24 März 2026 aktualisiert.