„Frauen arbeiten in einfachen Jobs, deshalb verdienen sie weniger.“„Frauen wollen keine Karriere, sie wollen sich um die Kinder kümmern.“„Männer sind bessere Führungskräfte.“Solche Aussagen hört man häufig. Zwar gibt es Frauen, denen die Familie wichtiger ist als beruflicher Erfolg. Diejenigen, bei denen das nicht so ist, haben es jedoch immer noch schwer, an gut bezahlte Jobs zu kommen.Von klein auf werden Mädchen für ihr Aussehen gelobt, und Jungen für das, was sie schon können. Mädchen bekommen Puppen und Prinzessinnenkleider geschenkt, Jungen dagegen Chemiebaukästen und Superhelden-T-Shirts. Die Gesellschaft lenkt Mädchen subtil in Berufe in den Bereichen Pflege, Gesundheit und Erziehung – Berufe, die mit weniger Anerkennung verbunden und schlechter bezahlt sind. 24 % des geschlechtsspezifischen Lohngefälles ist auf diesen Faktor zurückzuführen.Dennoch gibt es viele Frauen, die ihre Wahl entsprechend ihren Neigungen treffen, auch wenn es sich um traditionell männerdominierte Bereiche handelt. Zum Beispiel Maria. Sie und ihr Freund Alex studierten Bauingenieurwesen und schlossen ihr Studium als Jahrgangsbeste ab. Sie ergatterten äußerst begehrte Praktikumsplätze und arbeiteten mit viel Einsatz daran, sich gute Referenzen aufzubauen. Dann kam der Arbeitsmarkt:Tiefsitzende gesellschaftliche Muster/Konditionierung: Beide bewarben sich um eine ähnliche Stelle, aber Alex, der dazu erzogen wurde, selbstbewusst aufzutreten, verlangte ein höheres Einstiegsgehalt. Maria wollte nicht zu lange verhandeln, da sie fürchtete, sonst als „schwierig“ eingestuft zu werden. Da ihr bewusst war, dass ihr Arbeitgeber sich über eine eventuell geplante Schwangerschaft Sorgen machen könnte, gab sie als Gehaltsvorstellung eine niedrigere Summe an.Lohndiskriminierung/unerklärliche Diskrepanz: Drei Jahre lang arbeiteten beide mit großem Einsatz. Alex wurde zum Manager befördert, während Maria eine bescheidene Gehaltserhöhung bekam.Mutterschaftsurlaub: Einige Jahre später nahm Maria Mutterschaftsurlaub, wechselte dann in Teilzeit und nahm mehr unbezahlte Arbeit zu Hause an, während Alex seine Berufslaufbahn nicht unterbrechen musste, als er Vater wurde.Gläserne Decke: In dieser männerdominierten Branche begegnete Maria selten Frauen in Führungspositionen und glaubte irgendwann nicht mehr daran, eine solche Position erreichen zu können, während Alex einen Mentor fand, der ihn ermutigte und inspirierte.Unbezahlte Hausarbeit und Pflege: Als Marias Eltern pflegebedürftig wurden, leistete sie nach ihrem Vollzeitjob noch unbezahlte Pflegearbeit. Erschöpft legte sie ihre Karrierepläne vorübergehend auf Eis und bewarb sich nicht mehr für Beförderungen.Die Geschichte von Maria und Alex ist fiktiv, aber ihre Erfahrungen stehen beispielhaft für viele Frauen in der EU. Dafür, dass Frauen immer noch weniger verdienen als Männer, gibt es mehrere Gründe, denen mitunter eine komplexe Mischung aus strukturellen, gesellschaftlichen und diskriminierenden Faktoren zugrunde liegt.Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten ab dem 17. November bis zum Jahresende ohne Bezahlung. Da das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der EU derzeit bei 12 % liegt, arbeiten Frauen rechnerisch ab dem 17. November ohne Lohn. Wenn in diesem Bereich nicht schneller Fortschritte erzielt werden, wird dieses Lohngefälle möglicherweise noch jahrzehntelang weiterbestehen. Werden künftige Generationen einst zurückblicken und sich fragen: „Wie konnten sie es einfach so weiterlaufen lassen?“, so wie wir jetzt auf die Zeit zurückblicken, in der Frauen das Wahlrecht verwehrt wurde?Bei der Beseitigung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles und der Verwirklichung der Geschlechtergleichstellung geht es jedoch nicht nur um Fairness. Es geht darum, Armut zu bekämpfen, Potenziale zu erschließen und die Wirtschaft zu stärken. Bei dieser Gelegenheit bekräftigten Exekutiv-Vizepräsidentin Mînzatu und Kommissionsmitglied Lahbib das Engagement der EU für eine Union der Gleichheit. Die EU-Kommission arbeitet weiterhin daran, dieses Gefälle zu beseitigen, und zwar durch neue Rechtsvorschriften wie Richtlinien über gleiches Entgelt, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, eine ausgewogene Vertretung von Frauen und Männern in den Leitungsorganen von Unternehmen und Entgelttransparenz. Mehr zum ThemaErklärung zum Europäischen Tag der LohngleichheitEuropäischer Tag der LohngleichheitFahrplan für die FrauenrechteEurostat-Studie zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle in der EU Soziale Gerechtigkeit in EuropaEuropäisches Institut für Gleichstellungsfragen – Gleichstellungsindex Einzelheiten Datum der Veröffentlichung17. November 2025AutorGeneraldirektion Kommunikation